seiltänzer

ein letztes mal liess er die abendluft durch seine lungen strömen, fühlte, wie sie sich zentimeter für zentimeter ausdehnten, aufblähten und randvoll füllten, als wollten sie überlaufen… als könnten sie überlaufen

würde die überschwappende luft sein herz ersticken? er konnte spüren, wie es blut durch seinen körper pumpte, warm und feucht.
wie ein junger vogel hüpfte es, verzweifelt, gefangen in einem käfig vergoldeter streben. aus gier nach leben den tod umarmend.

er wollte nicht nach unten auf seine füsse sehen, nicht dieses mal. heute wollte er in die sterne greifen, die lichter berühren. wie scherben im feuer waren sie, es ging eine unwiderstehlichkeit von ihnen aus, eine ewigkeit. er wollte sich am glitzern schneiden, am funkeln verbrennen. und sollte es das letzte sein, was er tat. so dachte er, als er den ersten fuss auf das seil setzte.

Dez. 2017

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